Bad Dreams
Verfasst: Donnerstag 17. April 2008, 19:11
Der Anfang meines allerneuesten Werkes^^ Ist ne ziemlich kranke Geschichte(auch wenn das verrückteste noch gar nicht war, ich muss unbedingt weiterschreiben^^)
Bad Dreams
„Lauf weg!“, schießt es mir durch den Kopf auch wenn ich nicht weiß vor was, ich blicke nach hinten und sehe nur schwarze Schatten, Aber es ist als bewege sich in ihnen etwas. Ich renne schneller, höre wie mein Herz laut pocht. Der Blickwinkel ändert sich, ich sehen mich selbst, wie ich vor der Dunkelheit hinter mir davonlaufe. Wie ich andauernd panisch zurückblicke, die roten Haare im Laufwind flatternd, der kurze Rock windet sich um meine Beine. Das Schwarze kommt näher, plötzlich verschwindet alles, nur noch mein Herz pocht laut. Hat es mich eingeholt?
Schweißgebadet wachte ich auf. Schon wieder ein Albtraum, wie ich sie hasste! Ende Weile saß ich gerade im Bett, dann ließ ich mich zurücksinken und drehte meinen Kopf zur Seite um auf die grün leuchtende Digitalanzeige meines Weckers zu schauen. Es war gerade mal fünf Uhr, aber da ich wusste, dass ich eh nicht mehr schlafen könnte, stand ich auf. Fröstelnd und mit nackten Füßen ging ich von meinem Bett in eine andere Ecke meines Zimmers und drückte auf den Lichtschalter. Grelles, weißes Neonlicht flammte auf und ich musste für einen Moment meine noch müden Augen zukneifen, bis ich mich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Ich wünschte ich hätte das Licht ausgelassen, denn nun kam das Chaos meines Zimmers zum Vorschein, dass die Dunkelheit so sicher versteckt gehalten hatte. In einer Ecke stand ein Sofa, das kaum noch Sitzfläche besaß, da es mit getragenen und noch sauberen Klamotten voll gestopft war. Der Schreibtisch daneben war voller verstreuter Stifte, Papiere, die mit mehr oder weniger guten Zeichnungen gefüllt waren und Farbspritzer. Der kleine Bürostuhl davor war ebenfalls mit Klamotten behangen und über den Boden, der mit blauem Teppich ausgelegt war, lagen Schminkutensilien, eine Bürste, Haarspangen, Bücher und noch mehr Kleider verstreut. Alles in allem sah es aus als würde ich keinen Schrank besitzen. Auf den Regalen, gegenüber von meinem Bett, standen Fantasybücher und Mangas. Auch wenn meine Mutter mir jeden Tag damit in den Ohren lag, dass ich aufräumen sollte und ob es mir vor meinen Freunden nicht peinlich war wie unordentlich es hier war, liebte ich mein kleines Chaoszimmer. Es war meine Welt und niemand konnte mir widersprechen, wenn ich sagte, dass es meine gesamte Persönlichkeit widerspiegelte.
Schnell zog ich mich an, kämmte meine Haare und verschwand dann mit den Kajal und Wimperntusche im Badezimmer. Als ich fertig war merkte ich, dass ich noch mehr als eine Stunde Zeit hatte bevor ich zur Schule musste, also beschloss ich die lange aufgeschobenen Hausaufgaben doch noch zu machen.
Immer wieder fiel mir der merkwürdige Traum ein und lenkte mich von meiner Arbeit ab, sodass am Ende nur ein wenig sinnloses Gekritzel dabei herauskam. Noch einmal schaute ich auf die Uhr. Es war jetzt schon fast sieben, also ging ich schnell in die Küche und packte etwas zu essen ein, denn um acht begann der Unterricht und vorher wollte ich noch bei jemandem vorbeischauen. Meiner Mutter hinterließ ich einen Zettel, dass ich heute schon eher gegangen war, sie war Alleinerziehend und machte sich deswegen manchmal zu viele Sorgen um mich, um sie zu entlasten versuchte ich sie immer alles wissen zu lassen, was ich tat.
Draußen war es noch dunkel, trotzdem fand ich mich zurecht, den Weg zur Schule hätte ich auch im Schlaf gehen können, ohne mich zu verlaufen. Auf halbem Weg blieb ich stehen und klingelte an der Tür eines kleinen Einfamilienhauses mit gepflegtem Garten und weißer Fassade. Eine leicht genervte Stimme kam durch die Gegensprechanlage:
„Wer ist da?“
„Hallo Frau Schmidt, ich bins, Rika, ist ihr Sohn schon wach?“. Der Summer brummte.
„Ja komm doch rein Frederike.“, ich hasste es, wenn ich mit meinem vollen Namen angesprochen wurde, aber ich hatte keine Lust, Frau Schmidt schon wieder darauf hinzuweisen, dass sich mich mit Rika ansprechen sollte. Also öffnete ich die Tür und trat ein. Daneben hängte ich meine Jacke an einen Hacken und stellte meinen Rucksack ab. Im Haus der Schmidts kannte ich mich fast so gut aus wie bei mir zu Hause und lief schnurstracks auf die Tür zur Küche zu, wo ich Daniel und seine Mutter erwartete, da die beiden um diese Zeit normalerweise frühstückten. Gerade als ich die Tür öffnen wollte, fasste mich plötzlich jemand an den Schultern und drehte mich zu sich herum.
„Schon fertig mir Essen.“, er grinste, “Hi Rika, so früh heute? Was ist denn mit dir los?“ Ich lächelte zurück, doch dann fiel mir das beängstigende Gefühl meines Traumes wieder ein und das Lächeln verschwand.
„Nichts!“, brummte ich, „Hab nur `nen schlechten Traum gehabt.“ Er nahm mich in den Arm und strich mir über die Haare.
„Tut mir Leid, dass ich nicht da war um ihn zu vertreiben. Dafür werde ich ja das ganze Wochenende bei dir bleiben, ok?“
„Geht klar, Dany. Zum Glück ist ja heute schon Freitag, dann brauche ich nicht weiter Angst vor Albträumen haben.“, grinsend sah ich zu ihm hoch. Daniel hatte etwas längere dunkelbraune Haare, ein schmales Gesicht und wunderschöne, leuchtende, eisblaue Augen, in denen man sich viel zu schnell verlieren konnte, sodass es manchmal bestimmt bescheuert aussah, wenn ich ihn anstarrte.
„Möchtest du noch etwas essen, oder so? Sonst können wir meinetwegen schon jetzt zu Schule gehen.“ Ich überlegte einen Moment. Ich hatte wirklich noch nichts gegessen, aber irgendwie hatte ich keinen Hunger.
„Nee, lass mal. Wir können jetzt schon gehen.“ Er nickte und ging schnell die Treppe hinauf um seinen Rucksack und den Ordner zu holen. Vom Haus der Schmidts bis zur Schule waren es höchstens zehn Minuten zu Fuß, also brauchten wir und nicht zu beeilen. Auf dem Weg trafen wir einige Schulkameraden, die sich zu uns gesellten, sodass wir schließlich zu sechst am Gymnasium ankamen. Daniel und ich besuchten beide die zehnte Klasse, aber er hatte in Latein als zweite Fremdsprache gewählt und ich Französisch, also waren wir in zwei verschiedenen Klassen und mussten uns schließlich trennen um in die Klassenräume zu gehen.
„Bis nachher Rika!“, Dany gab mir einen Kuss, dann ging er um die Ecke und verschwand in einem der Klassenzimmer. Der Schultag war langweilig wie eh und je und alles was ich tat war sehnsüchtig auf die Schulglocke zu warten, die zu Ende des Unterrichts läutete. Sechs Schulstunden dauerte es bis das erlösende „Ding-Dong“ endlich erklang. Mit einem erleichterten Seufzer verließ ich das Klassenzimmer, packte meine Jacke, warf meinen Rucksack auf den Rücken und verschwand in der Masse der nach draußen strömenden Schüler. Auf dem Weg zur Schultür, am unteren Ende der Treppe sah ich Daniel stehen, der mir mit einem breiten Grinsen entgegenblickte.
„Was grinst du denn so, hab ich was im Gesicht?!“, fragte ich etwas angesäuert, als ich endlich, von einigen Fünftklässlern geschubst, neben ihm stand.
„Nö, du siehst perfekt aus wie immer“, noch immer das Grinsen, „Ich freue mich nur aufs Wochenende.“, ganz beiläufig fügte er hinzu: „Und ich hab ’ne Eins in Mathe.“ Ich erwiderte sein Grinsen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Also wirst du doch nicht sitzen bleiben? Ich wusste doch du schaffst das!“
„Ich hätte es nicht ohne ihre Hilfe geschafft, Frau Frederike!“, er begann zu lachen und ich stimmte mit ein.
Der Rest des Tages verging wie im Flug. Dany und ich redeten fast die ganze Zeit über Dies und Jenes. Vom frühen Aufwachen war ich schon viel eher als sonst müde, konnte aber nicht einschlafen, weil aus dem Flur die ganze Zeit das nervtötende Quiecken der Meerschweinchen meines kleinen Bruders kam.
„Hey Michael, gib den Viechern mal was zu Fressen!“, schrie ich hinaus. Neben mir hielt sich Dany grinsend die Ohren zu. Wenn ich wütend war überschlug sich meine Stimme schnell und nahm einen grässlichen quietschenden Unterton an. Als keine Antwort von draußen kam, nahm ich die Sache entnervt selbst in Angriff und schüttete Sousuke-chan und Shidori-chan (eigentlich hießen sie anders, aber ich nannte sie immer so) etwas Trockenfutter in ihren Napf. Sofort verstummten sie und endlich war es ruhig im Haus. Ich ging wieder in mein Zimmer, legte mich hin und kuschelte mich an Daniel, der seinen Arm um mich gelegt hatte. Es dauerte nicht lange, bis ich eingeschlafen war…
Ich sitze aufrecht in meinem Bett und schaue geradeaus. Hatte sich da nicht gerade etwas bewegt? Ein Schatten bewegt sich vor meinem Schrank, huscht weiter zum Regal und öffnet eine Schublade, kurz sieht man etwas im durch die, nicht ganz geschlossenen, Rollos strömenden Mondlicht aufblitzen. Der Schwarze Schatten dreht sich kurz zu mir herum, als ich erschrocken vor ihm zurückweiche und den Schutz der Wand suche.Mein Herz pocht so laut, dass ich Angst habe, dass mich der Schatten genauer in Augenschein nimmt, aber zum Glück dreht er sich wieder von mir ab. Was ist das? Und wo ist Dany? Ich habe panische Angst, es fühlt sich an wie in meinem letzten Traum, nur wirkt die Bedrohung die vom Dunkeln ausgeht nun irgendwie realer. Das merkwürdige Etwas öffnet die Tür und verschwindet in den Flur. Ein Klicken als die Tür ins Schloss fällt, dann beinahe unerträgliche Stille. Die Ruhe vor dem Sturm, so kommt es mir vor. Und tatsächlich währt sie nur sehr kurz. Ein verzweifelt klingendes Quietschen dingt unter der Tür hervor, kurz darauf ein Zweites. Ich will das nicht mehr hören! Ich habe Angst, will dass es aufhört. Ich will AUFWACHEN!!!
„Ieeck!“, kreischend stützte ich mich auf die Ellenbögen. Die Nachwirkungen eines Albtraums geisterten durch mein Hirn. Ich hatte völlig vergessen, was darin passiert ist, nur das dumpfe Gefühl von Angst war geblieben. Neben mir regte sich stöhnend Daniel. Er rieb sich die Augen, dann sah er mich an.
„Was ist denn los?“ Noch immer verängstigt, flüchte ich mich in seine Arme. Beruhigend strich er mir über die Haare.
„Wieder schlecht geträumt?“ Ich bemühte mich die Reste des Traumes abzuschütteln und nickte.
„Ja, aber jetzt geht es glaub ich wieder…“ Ich löste mich aus der Umarmung und stand auf um mir frische Anziehsachen zusammenzusuchen, während Daniel nach draußen ging um aufs Klo zu gehen. Nach einigem Suchen fand ich eine dunkelblaue Jeans und ein ausgeblichenes, schwarzes T-Shirt mit Totenkopf Aufdruck. Als ich mich angezogen hatte machte ich die Rollos auf. Draußen war es sonnig und wahrscheinlich warm. Ich öffnete das Fenster und atmete tief durch um auch den letzten Schrecken der Nacht loszuwerden. Dann ging ich zu meinem Bücherregal, schnappte mir einen Manga und war schon bald in der kulleräugigen Welt versunken. Plötzlich wurde ich jäh wieder herausgerissen. Ein unterdrückter Schrei kam aus dem Flur, dann riss ein blasser Dany die Tür auf.
„Geh da nicht raus, bitte“ Da mein Interesse jetzt erst recht geweckt war, zwängte ich mich an ihm vorbei, trotz seiner Versuche mich aufzuhalten. Schon eine Sekunde später wünschte ich, ich hätte es nicht getan. An der Längsseite des Flurs, nahe der Treppe saß mein Bruder am Boden und wurde von Schluchzern geschüttelt. Ich ging näher hin und blickte in den Käfig der sonst so munter umherrennenden Meerschweinchen. Aber da waren keine fröhlichen Tierchen mehr, sondern etwas viel erschreckenderes: zwei blutige Klumpen Fleisch, deren Form kaum noch zu erkennen war. Kreischend wich ich zurück. Übelkeit stieg in mir hoch und ich rannte so schnell ich konnte ins Badezimmer und übergab mich ins Waschbecken, zur weiter hinten stehenden Toilette hatte ich es nicht mehr geschafft. Ich wischte mir den Mund ab, setzte mich auf die Kante der Badewanne, stützte den Kopf in die Hände und atmete tief durch. Kurze Zeit später betrat Daniel das Zimmer, verzog kurz angeekelt das Gesicht, ging dann aber zum Waschbecken, ließ einige Minuten lang das Wasser laufen und öffnete das Fenster.
„Danke.“, murmelte ich, als er sich endlich neben mich setzte und seinen Arm um mich legte.
„Ich habe deinen Bruder in sein Zimmer gebracht und deine Mutter macht es weg.“ Noch einmal bedankte ich mich.
Bad Dreams
„Lauf weg!“, schießt es mir durch den Kopf auch wenn ich nicht weiß vor was, ich blicke nach hinten und sehe nur schwarze Schatten, Aber es ist als bewege sich in ihnen etwas. Ich renne schneller, höre wie mein Herz laut pocht. Der Blickwinkel ändert sich, ich sehen mich selbst, wie ich vor der Dunkelheit hinter mir davonlaufe. Wie ich andauernd panisch zurückblicke, die roten Haare im Laufwind flatternd, der kurze Rock windet sich um meine Beine. Das Schwarze kommt näher, plötzlich verschwindet alles, nur noch mein Herz pocht laut. Hat es mich eingeholt?
Schweißgebadet wachte ich auf. Schon wieder ein Albtraum, wie ich sie hasste! Ende Weile saß ich gerade im Bett, dann ließ ich mich zurücksinken und drehte meinen Kopf zur Seite um auf die grün leuchtende Digitalanzeige meines Weckers zu schauen. Es war gerade mal fünf Uhr, aber da ich wusste, dass ich eh nicht mehr schlafen könnte, stand ich auf. Fröstelnd und mit nackten Füßen ging ich von meinem Bett in eine andere Ecke meines Zimmers und drückte auf den Lichtschalter. Grelles, weißes Neonlicht flammte auf und ich musste für einen Moment meine noch müden Augen zukneifen, bis ich mich an die Helligkeit gewöhnt hatte. Ich wünschte ich hätte das Licht ausgelassen, denn nun kam das Chaos meines Zimmers zum Vorschein, dass die Dunkelheit so sicher versteckt gehalten hatte. In einer Ecke stand ein Sofa, das kaum noch Sitzfläche besaß, da es mit getragenen und noch sauberen Klamotten voll gestopft war. Der Schreibtisch daneben war voller verstreuter Stifte, Papiere, die mit mehr oder weniger guten Zeichnungen gefüllt waren und Farbspritzer. Der kleine Bürostuhl davor war ebenfalls mit Klamotten behangen und über den Boden, der mit blauem Teppich ausgelegt war, lagen Schminkutensilien, eine Bürste, Haarspangen, Bücher und noch mehr Kleider verstreut. Alles in allem sah es aus als würde ich keinen Schrank besitzen. Auf den Regalen, gegenüber von meinem Bett, standen Fantasybücher und Mangas. Auch wenn meine Mutter mir jeden Tag damit in den Ohren lag, dass ich aufräumen sollte und ob es mir vor meinen Freunden nicht peinlich war wie unordentlich es hier war, liebte ich mein kleines Chaoszimmer. Es war meine Welt und niemand konnte mir widersprechen, wenn ich sagte, dass es meine gesamte Persönlichkeit widerspiegelte.
Schnell zog ich mich an, kämmte meine Haare und verschwand dann mit den Kajal und Wimperntusche im Badezimmer. Als ich fertig war merkte ich, dass ich noch mehr als eine Stunde Zeit hatte bevor ich zur Schule musste, also beschloss ich die lange aufgeschobenen Hausaufgaben doch noch zu machen.
Immer wieder fiel mir der merkwürdige Traum ein und lenkte mich von meiner Arbeit ab, sodass am Ende nur ein wenig sinnloses Gekritzel dabei herauskam. Noch einmal schaute ich auf die Uhr. Es war jetzt schon fast sieben, also ging ich schnell in die Küche und packte etwas zu essen ein, denn um acht begann der Unterricht und vorher wollte ich noch bei jemandem vorbeischauen. Meiner Mutter hinterließ ich einen Zettel, dass ich heute schon eher gegangen war, sie war Alleinerziehend und machte sich deswegen manchmal zu viele Sorgen um mich, um sie zu entlasten versuchte ich sie immer alles wissen zu lassen, was ich tat.
Draußen war es noch dunkel, trotzdem fand ich mich zurecht, den Weg zur Schule hätte ich auch im Schlaf gehen können, ohne mich zu verlaufen. Auf halbem Weg blieb ich stehen und klingelte an der Tür eines kleinen Einfamilienhauses mit gepflegtem Garten und weißer Fassade. Eine leicht genervte Stimme kam durch die Gegensprechanlage:
„Wer ist da?“
„Hallo Frau Schmidt, ich bins, Rika, ist ihr Sohn schon wach?“. Der Summer brummte.
„Ja komm doch rein Frederike.“, ich hasste es, wenn ich mit meinem vollen Namen angesprochen wurde, aber ich hatte keine Lust, Frau Schmidt schon wieder darauf hinzuweisen, dass sich mich mit Rika ansprechen sollte. Also öffnete ich die Tür und trat ein. Daneben hängte ich meine Jacke an einen Hacken und stellte meinen Rucksack ab. Im Haus der Schmidts kannte ich mich fast so gut aus wie bei mir zu Hause und lief schnurstracks auf die Tür zur Küche zu, wo ich Daniel und seine Mutter erwartete, da die beiden um diese Zeit normalerweise frühstückten. Gerade als ich die Tür öffnen wollte, fasste mich plötzlich jemand an den Schultern und drehte mich zu sich herum.
„Schon fertig mir Essen.“, er grinste, “Hi Rika, so früh heute? Was ist denn mit dir los?“ Ich lächelte zurück, doch dann fiel mir das beängstigende Gefühl meines Traumes wieder ein und das Lächeln verschwand.
„Nichts!“, brummte ich, „Hab nur `nen schlechten Traum gehabt.“ Er nahm mich in den Arm und strich mir über die Haare.
„Tut mir Leid, dass ich nicht da war um ihn zu vertreiben. Dafür werde ich ja das ganze Wochenende bei dir bleiben, ok?“
„Geht klar, Dany. Zum Glück ist ja heute schon Freitag, dann brauche ich nicht weiter Angst vor Albträumen haben.“, grinsend sah ich zu ihm hoch. Daniel hatte etwas längere dunkelbraune Haare, ein schmales Gesicht und wunderschöne, leuchtende, eisblaue Augen, in denen man sich viel zu schnell verlieren konnte, sodass es manchmal bestimmt bescheuert aussah, wenn ich ihn anstarrte.
„Möchtest du noch etwas essen, oder so? Sonst können wir meinetwegen schon jetzt zu Schule gehen.“ Ich überlegte einen Moment. Ich hatte wirklich noch nichts gegessen, aber irgendwie hatte ich keinen Hunger.
„Nee, lass mal. Wir können jetzt schon gehen.“ Er nickte und ging schnell die Treppe hinauf um seinen Rucksack und den Ordner zu holen. Vom Haus der Schmidts bis zur Schule waren es höchstens zehn Minuten zu Fuß, also brauchten wir und nicht zu beeilen. Auf dem Weg trafen wir einige Schulkameraden, die sich zu uns gesellten, sodass wir schließlich zu sechst am Gymnasium ankamen. Daniel und ich besuchten beide die zehnte Klasse, aber er hatte in Latein als zweite Fremdsprache gewählt und ich Französisch, also waren wir in zwei verschiedenen Klassen und mussten uns schließlich trennen um in die Klassenräume zu gehen.
„Bis nachher Rika!“, Dany gab mir einen Kuss, dann ging er um die Ecke und verschwand in einem der Klassenzimmer. Der Schultag war langweilig wie eh und je und alles was ich tat war sehnsüchtig auf die Schulglocke zu warten, die zu Ende des Unterrichts läutete. Sechs Schulstunden dauerte es bis das erlösende „Ding-Dong“ endlich erklang. Mit einem erleichterten Seufzer verließ ich das Klassenzimmer, packte meine Jacke, warf meinen Rucksack auf den Rücken und verschwand in der Masse der nach draußen strömenden Schüler. Auf dem Weg zur Schultür, am unteren Ende der Treppe sah ich Daniel stehen, der mir mit einem breiten Grinsen entgegenblickte.
„Was grinst du denn so, hab ich was im Gesicht?!“, fragte ich etwas angesäuert, als ich endlich, von einigen Fünftklässlern geschubst, neben ihm stand.
„Nö, du siehst perfekt aus wie immer“, noch immer das Grinsen, „Ich freue mich nur aufs Wochenende.“, ganz beiläufig fügte er hinzu: „Und ich hab ’ne Eins in Mathe.“ Ich erwiderte sein Grinsen und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
„Also wirst du doch nicht sitzen bleiben? Ich wusste doch du schaffst das!“
„Ich hätte es nicht ohne ihre Hilfe geschafft, Frau Frederike!“, er begann zu lachen und ich stimmte mit ein.
Der Rest des Tages verging wie im Flug. Dany und ich redeten fast die ganze Zeit über Dies und Jenes. Vom frühen Aufwachen war ich schon viel eher als sonst müde, konnte aber nicht einschlafen, weil aus dem Flur die ganze Zeit das nervtötende Quiecken der Meerschweinchen meines kleinen Bruders kam.
„Hey Michael, gib den Viechern mal was zu Fressen!“, schrie ich hinaus. Neben mir hielt sich Dany grinsend die Ohren zu. Wenn ich wütend war überschlug sich meine Stimme schnell und nahm einen grässlichen quietschenden Unterton an. Als keine Antwort von draußen kam, nahm ich die Sache entnervt selbst in Angriff und schüttete Sousuke-chan und Shidori-chan (eigentlich hießen sie anders, aber ich nannte sie immer so) etwas Trockenfutter in ihren Napf. Sofort verstummten sie und endlich war es ruhig im Haus. Ich ging wieder in mein Zimmer, legte mich hin und kuschelte mich an Daniel, der seinen Arm um mich gelegt hatte. Es dauerte nicht lange, bis ich eingeschlafen war…
Ich sitze aufrecht in meinem Bett und schaue geradeaus. Hatte sich da nicht gerade etwas bewegt? Ein Schatten bewegt sich vor meinem Schrank, huscht weiter zum Regal und öffnet eine Schublade, kurz sieht man etwas im durch die, nicht ganz geschlossenen, Rollos strömenden Mondlicht aufblitzen. Der Schwarze Schatten dreht sich kurz zu mir herum, als ich erschrocken vor ihm zurückweiche und den Schutz der Wand suche.Mein Herz pocht so laut, dass ich Angst habe, dass mich der Schatten genauer in Augenschein nimmt, aber zum Glück dreht er sich wieder von mir ab. Was ist das? Und wo ist Dany? Ich habe panische Angst, es fühlt sich an wie in meinem letzten Traum, nur wirkt die Bedrohung die vom Dunkeln ausgeht nun irgendwie realer. Das merkwürdige Etwas öffnet die Tür und verschwindet in den Flur. Ein Klicken als die Tür ins Schloss fällt, dann beinahe unerträgliche Stille. Die Ruhe vor dem Sturm, so kommt es mir vor. Und tatsächlich währt sie nur sehr kurz. Ein verzweifelt klingendes Quietschen dingt unter der Tür hervor, kurz darauf ein Zweites. Ich will das nicht mehr hören! Ich habe Angst, will dass es aufhört. Ich will AUFWACHEN!!!
„Ieeck!“, kreischend stützte ich mich auf die Ellenbögen. Die Nachwirkungen eines Albtraums geisterten durch mein Hirn. Ich hatte völlig vergessen, was darin passiert ist, nur das dumpfe Gefühl von Angst war geblieben. Neben mir regte sich stöhnend Daniel. Er rieb sich die Augen, dann sah er mich an.
„Was ist denn los?“ Noch immer verängstigt, flüchte ich mich in seine Arme. Beruhigend strich er mir über die Haare.
„Wieder schlecht geträumt?“ Ich bemühte mich die Reste des Traumes abzuschütteln und nickte.
„Ja, aber jetzt geht es glaub ich wieder…“ Ich löste mich aus der Umarmung und stand auf um mir frische Anziehsachen zusammenzusuchen, während Daniel nach draußen ging um aufs Klo zu gehen. Nach einigem Suchen fand ich eine dunkelblaue Jeans und ein ausgeblichenes, schwarzes T-Shirt mit Totenkopf Aufdruck. Als ich mich angezogen hatte machte ich die Rollos auf. Draußen war es sonnig und wahrscheinlich warm. Ich öffnete das Fenster und atmete tief durch um auch den letzten Schrecken der Nacht loszuwerden. Dann ging ich zu meinem Bücherregal, schnappte mir einen Manga und war schon bald in der kulleräugigen Welt versunken. Plötzlich wurde ich jäh wieder herausgerissen. Ein unterdrückter Schrei kam aus dem Flur, dann riss ein blasser Dany die Tür auf.
„Geh da nicht raus, bitte“ Da mein Interesse jetzt erst recht geweckt war, zwängte ich mich an ihm vorbei, trotz seiner Versuche mich aufzuhalten. Schon eine Sekunde später wünschte ich, ich hätte es nicht getan. An der Längsseite des Flurs, nahe der Treppe saß mein Bruder am Boden und wurde von Schluchzern geschüttelt. Ich ging näher hin und blickte in den Käfig der sonst so munter umherrennenden Meerschweinchen. Aber da waren keine fröhlichen Tierchen mehr, sondern etwas viel erschreckenderes: zwei blutige Klumpen Fleisch, deren Form kaum noch zu erkennen war. Kreischend wich ich zurück. Übelkeit stieg in mir hoch und ich rannte so schnell ich konnte ins Badezimmer und übergab mich ins Waschbecken, zur weiter hinten stehenden Toilette hatte ich es nicht mehr geschafft. Ich wischte mir den Mund ab, setzte mich auf die Kante der Badewanne, stützte den Kopf in die Hände und atmete tief durch. Kurze Zeit später betrat Daniel das Zimmer, verzog kurz angeekelt das Gesicht, ging dann aber zum Waschbecken, ließ einige Minuten lang das Wasser laufen und öffnete das Fenster.
„Danke.“, murmelte ich, als er sich endlich neben mich setzte und seinen Arm um mich legte.
„Ich habe deinen Bruder in sein Zimmer gebracht und deine Mutter macht es weg.“ Noch einmal bedankte ich mich.